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Der Duft von Schokolade von Ewald Arenz [Rezension]

„Hör zu“, sagte sie leise, „man gehört sich nicht, nur weil man sich liebt. Nimm die Tage, wie sie sind, August…“ Er zog sie an sich, vielleicht, weil er nicht sagen konnte, was er eigentlich sagen wollte. Es kam ihm auf einmal alles sehr groß und zugleich lächerlich vor. Was hatte er denn erwartet? Er atmete den Duft ein, der sich in ihren Haaren wie ein schönes Gespinst hielt. Dann nahm er sich zusammen. Es war, wie wenn man sich innerlich wieder anzog, eine Uniform über seine Seele zog. War das nicht genau das, was sie von ihm erwartete? S. 123

Inhalt:
Wien Ende des 19. Jahrhunderts. Leutnant August Liebeskind hat ausgedient und beginnt in der Schokoladenfabrik seines Onkels seine Laufbahn als Einkäufer. Schon seit seiner Kindheit hat er ein besonderes Gespür für die Gerüche und Düfte um ihn herum und mit seiner sensiblen Nase hat er schon so manches Unglück vorausahnen können. Dann tritt Elena Palffy in sein Leben. Eine bereits verheiratete Dame, die mit Eleganz und Kühnheit zu verführen vermag. Beide wollten es nicht und doch hüllt sie der zarte Duft von Liebe ein, während sich Wien in sensationslüstigen Gerüchen und brennenden Ereignissen verliert.

Meine Meinung:
„Der Duft von Schokolade“ ist eine exquisite Geschichte, die mich total aus den Socken haute. Von Anfang hat schafft der Autor eine sensible Atmosphäre und hochfeine Spannung. Wie die beschriebenen Pralinen und Konfekte aus der Geschichte, besitzt auch dieser Roman unterschiedliche Geschmäcker und farbenfrohe Facetten. So geschieht beispielsweise nichts so, wie ich es erwartete. Der Roman nimmt viele unbekannte Wendungen und doch erscheint nichts unlogisch oder unbedacht. Es ist gerade so, als hätte Ewald Arenz die Geschichte zwischen August und Elena genauso gestrickt, wie sie hatte kommen müssen.
Der Schreibstil setzt keine besonderen Akzente oder beeinflusst in bestimmte Richtung, er läuft einfach so vor sich hin und erzählt eine Geschichte, wie es sie wirklich geben könnte. Hier findet keine unterbewusste Manipulation statt, sondern eine Erzählung über eine besondere Liebe, die zwischen der Wirklichkeit und der beinahe schon flüchtigen Welt der Gerüche steht.
Die beschriebenen Charaktere in diesem Roman haben mich von Anfang an berührt. Sie schienen zu atmen, zu leben, zu sprechen und Schokoladen zu kreieren. Ich bin zu hundert Prozent von Ewald Arenzs Roman bezaubert und gefangen genommen.
August Liebeskind ist beinahe schon ein olfaktorisches Genie. Ähnlich wie Grenouille, der Zeck, aus „Das Parfum“. Doch im Gegensatz zu Grenouille, der vollkommen anders, als die Menschen ist und an dem Versuch sie zu verstehen scheitert, verwendet August seine Fertigkeiten, um süße Sünden zu schaffen, die die tiefsten Sehnsüchte in den Menschen hervorrufen, von denen sie nicht einmal wussten, dass sie diese besitzen.
Mir hat gefallen, wie der Autor die Beziehungen zwischen den Personen gestaltet hat. So ergaben sich beinahe unverfängliche Verwicklungen, die noch ein übles Nachspiel mit sich ziehen sollten. So taucht eine sehr wichtige Person, namens Louise auf, die ich ebenfalls sofort in mein Herz einschließen musste und die zu neuen Entwicklungen und vielen Spannungen beiträgt.

Mein Fazit:
„Der Duft von Schokolade“ zieht sich wie ein herrliches Aroma in die Nase, um sich dort festzusetzen, einzuziehen und dort seinen vollen Geruch zu entfalten. Er bleibt dort haften und teilt seine Freude, wie auch seine Trauer mit dir. Dieser Geruch oder auch Duft hängt dir noch lange nach und du kannst ihn nicht vergessen. Nach einiger Zeit hast du den Geruch noch immer in der Nase, erinnerst dich aber nicht mehr daran, woher er kommt. Und so sehr du auch danach suchst, du findest den Ursprung nicht. Wenn du dann irgendwann mal in dein Bücherregal schaust und „Der Duft von Schokolade“ siehst, trifft dich ein Blitzschlag und du weißt, warum dieser Geruch da ist. Er steht für dieses Buch, was so einmalig, wie unvergesslich und schön ist. Nicht zu beschreiben und ohne Worte.

Bewertung

Vielen Dank an den dtv-Verlag für die Zusendung dieses Rezensionsexemplars!

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5 thoughts on “Der Duft von Schokolade von Ewald Arenz [Rezension]”

    1. Hihi! Ich MAG Stammgäste 😉
      Also, ehrlich gesagt, hat mich hier der Klappentext auch nicht sehr angesprochen, doch das Cover, das hat mir sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr angesprochen. Deswegen wusste ich nicht so genau, was ich von diesem Buch erwarten sollte. Aber wie ich schrieb, es hat mich umgehauen und begeistert.

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