Buchrezensionen

Die Bürde des Blutes von Sarah Pinborough [Rezension]

Inhalt:
Cass ermittelt in zwei vertrackten Fällen. Ein Serienmörder, der eine Art Fliegenmann zu sein scheint, tötet junge Frauen und hinterlässt Fliegeneier, sowie die Botschaft, dass nichts heilig sei, auf ihnen.
In Cass‘ anderem Fall sind bei einer Schießerei auf einen Mafiaboss zwei Jungen ums Leben gekommen. Je weiter Cass ermittelt, desto vertrackter wird die Situation. Irgendwer will verhindern, dass Cass zu viel herausfindet. Die Bank, die alle Geldgeschäfte der Welt leitet und die einzige in diesen Tagen ist, scheint ebenfalls in die Vorfälle verwickelt zu sein.
Dann erschießt sich Cass‘ kleiner Bruder Christian, der etwas wichtiges herausgefunden hatte. Sein Kind und seine Frau, erschießt er gleich mit. War das wirklich Selbstmord? Cass kann daran nicht glauben und als sie Beweismaterial gegen ihn am Tatort seines Bruders finden, weiß er, das müssen fingierte Beweise sein und er muss alles dafür tun, um die Wahrheit ans Licht zu bringen, damit der Fliegenmann nicht weiter morden und er seinen eigenen Kopf retten kann.

Meine Meinung:
„Die Bürde des Blutes“ war in gewisserweise ein Experiment, da mir dieses Genre nicht so liegt und ich einmal einen Annäherungsversuch starten wollte. Geeignet erschien mir dieser Roman, da er einige fantastische Elemente beinhalten sollte. Nach der ersten Hälfte habe ich mich gefragt, wo die denn bitte sehr bleiben. Sie tauchen noch auf. Doch wie, darauf komme ich später noch einmal zurück.
Sarah Pinborough lässt sich in diesem Roman viel Anlaufzeit. Es passieren zwar viele Dinge, doch nichts ergibt einen Sinn und während man sich noch mit den Charakteren bekannt macht, werden im Hintergrund unzählige Geschütze aufgefahren. Der Protagonist und Ermittler Cass Jones erliegt einigen Klischees und andererseits lässt er aber auch so gar nichts aus und seine Situation wird immer verworrener. Mir war es ein wenig zu viel des Guten und bei „Die Bürde des Blutes“ steht dies ganz im Sinne von weniger wäre mehr gewesen.
Einerseits war mir alles zu langatmig und trotz temporeicher Handlung, einfach zu viele Nebenschauplätze, zuviele unnötige Details und versteckte Hinweise. Andererseits war ich fasziniert und wollte, nein musste, einige Dinge einfach wissen. Das ist das fiese an einem Thriller. Er gibt keine Ruhe, sobald man mal ein wenig tiefer vorgedrungen ist. Man will wissen, was die Auflösung ist und auf dem Weg dorthin ergeben sich immer neue Fallstricke, Rätsel und Geheimnisse. Manchmal wirkte das auf mich ein wenig strukturlos und ich hätte mir mehr Gliederung gewünscht.
Ich kann der Autorin aber zu Gute führen, dass ich teilweise richtigen Ekel empfunden habe und sie einige Situationen sehr echt beschreiben konnte, so dass ich mich sehr gut in die jeweilige Lage hineinfinden konnte. Hier fließt nicht literweise Blut oder dergleichen, eher sind es subtilere und psychischere Mittel, die hier für den großen Effekt eingesetzt werden. Alles sagte mir nicht zu und insgesamt war mir das Geschehen und was an Situationen hineingebracht wurde viel zu viel.
Um ein Beispiel zu nennen, denn das erfährt man in den ersten Kapiteln, ich nehme also keine Spannung vorweg: Der Ermittler Cass hat nicht nur seine Eltern verloren, nein, er lässt sich schmieren, „so wie alle“, laut seiner Aussage, er schmeißt Drogen ein und feiert gelegentliche, exzessive Trips und dann erschießt sein kleiner Bruder sich, seinen eigenen Sohn und seine Frau. Das ist noch nicht einmal alles, aber das reicht schon aus, dass mir diese Sparte sehr unrealistisch erscheint und Cass unsympathisch wird.
Das muss nichts schlimmes sein, doch Cass‘ „übler“ Charakter bleibt sich nicht treu, weswegen ich dieser Figur nicht alles abkaufte. Die Kapitel waren sehr lang. Das hat das Lesen leider erschwert. Dies hat Schattenseiten und auch gute Seiten. Trotz Kritik, zwang mich etwas, immer weiterzulesen und nicht aufzuhören.
Ein schönes Experiment, was sich alles in allem lohnte, doch ich denke nicht, dass ich so schnell, freiwillig wieder einen Thriller/Krimi in die Hand nehmen möchte. Nun komme ich zum Ende des Romans, das mich sehr enttäuscht und die vorangegangene Geschichte zerstört hat.
Ich hätte der Autorin ihre Geschichte ja abgenommen und vielleicht 4 oder 3 Sterne vergeben, wenn sie nicht wirklich alles, was es gibt und noch mehr da hinein gepackt hätte. Doch das, was ich unbedingt wissen wollte, hat sie natürlich nicht aufgelöst. Lediglich in der Danksagung sagt der beinahe letzte Satz: Dass „Die Bürde des Blutes“ eine Trilogie sei! Ja, Danke, habe ich mir doch beinahe gedacht und weiß nun, wann ich mehr erfahren werde. Nur, dass ich keine Serien oder Trilogien mehr sehen kann.
Was haben sich Verlag und Autorin dabei gedacht, dieses Werk als Thriller mit übernatürlichen Elementen anzupreisen? Ich dachte dabei:  „Okay, das mag ich mal versuchen.“ Dann schmeißt Sarah Pinborough einen Fliegenmann da rein, der zwei Mal kurz vorbei schaut, Morde verübt, aber weitgehend eine unbekannte und anonyme Figur im Hintergrund bleibt und lassen ihn was von der Verdorbenheit der Menschen faseln und davon, dass nichts heilig und die Menschheit nur Dreck seien. Der hat den coolen Effekt, dass aus ihm Fliegeneier und Fliegen (warum auch immer??) herauskommen und dann schieben die Charaktere sich irgend so ein ominöses Leuchten zu. Der hat geleuchtet, der besonders, der nicht, den darf man umbringen, diesen aber nicht und so weiter und sofort. Das soll dann die Fantasy gewesen sein? Also wirklich, da bin ich sehr enttäuscht und an der Nase herumführen, kann ich mich auch selber. Ich bin sehr traurig darüber, dennoch will ich den nächsten Band haben, denn dieses Leuchten wird natürlich nicht erklärt, ebenso wenig wird aufgedeckt, wer der Fliegenmann ist und noch viele, weitere Dinge. Die Fälle, an denen ermittelt wurde, werden zwar geklärt, die nehme ich der Autorin in der Geschichte ab, auch wenn die Sache dann doch ein wenig zu groß war und mir nicht wirklich Realitätsnah erschien.
In meinen Augen hat die Frau Pinborough mit dem Ende alles versaut, was sie sich die vielen Seiten zuvor aufgebaut hat. Das ist sehr traurig und schade, weil ich die Geschichte zwischenzeitlich recht gerne gelesen habe, obwohl alle ja so „unheilig“ und böse und nichts wert und so weiter und sofort sind.

Mein Fazit:
Es tut mir leid, dass ich so unsachlich geworden bin, aber dieses Buch hat meine schlimmsten Seiten zutage gefördert. Ich vergebe nur zwei Sterne, was euch aber bitte nicht davon abhalten soll, dieses Buch zu lesen. Vielleicht mögt ihr dieses Leuchten ja auch und rätselhafte Fliegen und ungelöste Enden, die keinen Sinn zu ergeben scheinen. Es gibt ja heutzutage beinahe alles, was die Leute mögen sollen. 😉 Ich bin eventuell einfach die falsche Leserin für dieses Genre. Den zweiten Teil tue ich mir noch an, wenn der ebenso ausfällt, verzichte ich auf den Dritten.
Wäre das Ende besser gewesen, würde dieses Buch schöne drei oder sogar vier Sterne erhalten, doch so kommt es mir wie eine kleine, große Mogelpackung vor. Sarah Pinboroughs Schreibstil las sich sehr gut, nicht enden wollende Kapitel zogen das Ganze ein wenig in die Länge und wenn die Handlung nicht überzeugen kann, dann kann da auch der beste Schreibstil nichts mehr reißen!
Dennoch bereue ich nicht, dieses Werk gelesen zu haben, denn so habe ich immerhin gelernt, dass ich wirklich die Finger von diesem Genre lassen sollte.

Bewertung

Allgemeine Informationen zum Buch:
Die Bürde des Blutes
450 Seiten
13,5 x 21,5 cm
EUR: 16,95 CHF: 25,90
ISBN: 978-3-8000-9535-3

Vielen Dank an den Otherworld-Verlag für die Zusendung dieses Rezensionsexemplars!

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3 thoughts on “Die Bürde des Blutes von Sarah Pinborough [Rezension]”

  1. Also ich weiß schon mal, dass ich das Buch nicht lesen werde. *lol* Ich habe bisher auch noch nichts davon gehört, aber ich denke auch,d ass es generell nichts für mich wäre….ich lese zwar gerne Thriller, aber keine Psychothriller. Irgendwie klingt es auch wirklich so, als wäre da sehr, sehr viel in ein Buch gepackt worden….und gerade bei Thrillern mag ich eine abgeschlossene Handlung und keine Trilogien oder Serien….wobei es da natürlich auch ganz Gute gibt. 😉

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    1. Ich weiß genau, was du meinst! Wenn die Handlung in einem Thriller/Krimi nicht abgeschlossen ist, ist das beinahe zum Wahnsinnig werden! =(
      Bestimmt, gibt es ach gute, doch ich lese die eher sowieso gar nicht! 🙂
      Eine schöne Woche wünsche ich dir!

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Danke für deinen Besuch! Über einen Kommentar würde ich mich freuen! ♥ Leselustige Grüße von Charlousie

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