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Ich wünschte, ich könnte dich hassen von Lucy Christopher [Rezension]

Inhalt:
Gemma sieht Ty auf dem Flughafen von Bangkok. Als sie aufwacht, weiß sie nicht mehr, wo sie sich befindet und außer Sand und Hitze, ist da auch nur Ty. Einsam und verlassen hat er sie in die Wildnis gebracht, um sie vor den Zwängen der Großstädte und Menschenansammlungen zu retten. Er lehrt sie die Natur zu verstehen, das Leben in Freiheit zu bestreiten und nur das zu nehmen, was man wirklich zum Leben benötigt. Gemma macht das nicht freiwillig mit, denn sie will nichts anderes als weg und nach Hause. Doch Ty ist fest entschlossen sie zu retten, wie er sagt, und Gemma lernt schnell, dass die Natur schnell mal zurückschlagen kann. Irgendwie hasst sie ihren Entführer, doch sie kann nicht umhin, ihn für seine Willensstärke und Liebe zur Freiheit, zum Frieden und zur Natur zu bewundern. Wird Ty sie wirklich bis ans Ende ihrer Tage dort festhalten? Oder findet sie einen Weg zu fliehen? – Will Gemma am Ende vielleicht sogar doch freiwillig dort bleiben? Am Ende der Welt, zwischen Sandkörnern, der Natur und nichts weiter als dem rohen Leben selbst…

Meine Meinung:
Ich finde, dass dieses Werk etwas besonderes ist. Es überspitzt die Dinge nicht und behandelt einmal ein Thema, auf eine ganz andere Art und Weise. Die Protagonistin schreibt einen Brief an ihren Entführer Ty in der 2. Person Singular, was für mich etwas ganz Neues ist, denn jegliche Konjugationen mit `Du´ habe ich in einem Roman noch nie so erlebt.
Das Entführungsszenario konnte Lucy Christopher hier sehr glaubwürdig darstellen und die Motivationen der Charaktere ebenfalls.
Gefesselt habe ich von den Wundern der Natur gelesen, von der Denkweise Tys und von dem Drama in Gemmas Kopf, weil noch so häufige Huldigen der Mutter Natur keine Entschädigung für das plötzliche Herausreißen aus dem gewohnten Umfeld bringen kann.
Ich denke, es ist schwer, ein durchsichtiges und glaubwürdiges Entführungsbild zu zeichnen, weil man an solche Situationen sehr kritisch herangeht. Oft findet man Unzulänglichkeiten und undichte Stellen, an denen die Person hätte fliehen können oder an denen es unglaubwürdig ist, dass Niemand etwas mitbekommt. Das hat die Autorin hier bravourös gemeistert und so habe ich nicht eine undichte Stelle gefunden.
Vor der gewaltigen Hintergrundkulisse Australiens hat sie die Beiden Charaktere buchstäblich im Busch ausgesetzt, wo wirklich nur die Natur Zeugin für alles ist. Mit der Entstehungsgeschichte unserer Welt aus der Sichtweise der Aborigines ist hier ein sehr tiefer Hintergrund und eine religiöse Note mit eingeflossen, die diesen Jugendroman in meinen Augen von anderen in seiner Klasse abhebt. Dadurch, aber nicht ausschließlich, beweist „Ich wünschte, ich könnte dich hassen“ wahre Größe, Recherchearbeit und ausgereifte Szenarien.
Anderen Rezensionen habe ich entnommen, dass hier das Stockholm-Syndrom recht stark entstehen soll. Das heißt, dass die Entführte zu ihrem Entführer eine positive Bindung aufbaut, wenn nicht sogar Liebe. Deswegen nahm ich an, dass sich die Protagonistin nach Schema „F“ ganz klischeehaft in ihren Entführer verlieben würde, doch es war ganz anders. Es entstehen zwar positive Gefühle, aber nicht unglaubwürdig und nicht von heute auf gleich. Gemma kämpft, um von dort wegzukommen und gibt alles, was sie hat, bis sie beinahe stirbt. Erst dann, fügt sie sich einigermaßen und bemerkt von Tag zu Tag, mit welcher starken Schönheit und Eleganz Ty mit seinem Umfeld umgeht und nichts als die Natur und seine Hände zum Überleben benötigt. Das heißt, dass eine mögliche Verliebtheit, wenn überhaupt, ganz zart und fein, eher zwischen den Zeilen ensteht, als offensichtlich wird. Denn das Ende ist so gestellt, dass Gemma Ty zwar diesen Roman: „Ich wünschte, ich könnte dich hassen“ in Form eines an ihn gerichteten Briefes schreibt, doch das erst einmal, um ihre Gefühle und das Erlebte zu verarbeiten. Es bleibt offen, ob und wie doll sie sich in ihn verliebte. Ich glaube, dass es eine Fortsetzung geben wird, hoffe aber, dass es nicht dazu kommt, denn so wie der Roman endet, ist er perfekt. Man kann sich alles weitere denken und so sollte es auch sein, damit die Geschichte so glaubwürdig bleibt, wie sie momentan ist.

Mein Fazit:
Ich bin von „Ich wünschte, ich könnte dich hassen“ regelrecht begeistert, nachdem ich meine Erwartungen recht niedrig geschraubt hatte. Inhaltlich und stilistisch kann ich nichts bemängeln und die Charaktere sind in eine Geschichte eingebunden, deren Intensität und Entwicklung vor der Kulisse Australiens bestens zur Geltung kamen und mit der Zeit immer mehr reiften.
Ein Roman, der einen wahren Stern am Jugendbuchhimmel bedeutet und den ich mehr als gerne gelesen habe. Ein authentischer Roman, der zu bannen vermag und dessen weitgreifendes Potenzial hoffentlich erkannt und ausgeschöpft wird! Denn er erzählt eine tief bewegende und berührende Geschichte über die Wunder der Natur, die Fesseln des alltäglichen Lebens und der Gabe sich von all dem für den Preis der Freiheit zu lösen.

Bewertung
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23 thoughts on “Ich wünschte, ich könnte dich hassen von Lucy Christopher [Rezension]”

  1. Ich hab mir heute das Buch bestellt.
    Meine Erwartungen sind sehr hoch, da ich bisher nur positive Meinungen gehört habe.
    Freu mich aufs Lesen 🙂

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    1. Dann wünsche ich dir viel, viel Spaß beim Lesen, denn wenn es auch nur ein bisschen deine Wellenlänge ist, wirst du es hoffentlich mögen!

      Liebe Grüße und ein herzliches Willkommen hier! 🙂

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  2. Habe gerade angefangen es zu lesen, will es aber jetzt schon als Buch vorstellen in der Schule. Nur bin ich mir nicht sicher, ob die momentane Figurenkonstellation bei mir stimmt. Wie ist sie denn über das ganze Buch über? Eine Antwort wäre toll, aber das Buch ist bis jetzt schon super.

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    1. Hallo Marlien,
      was für eine Figurenkonstellation benötigst du denn?
      Das ganze Buch über wird ja aus der Sicht des Mädchens berichtet. Dann gibt es noch ihren Entführer (Ty, wenn ich mich recht entsinne) und das sind aber auch schon die Hauptakteure… Würde dir gerne weitehelfen, nur leider verstehe ich nicht, was dir „fehlt“ oder du bräuchtest! 😉
      Melde dich doch noch einmal, dann kann ich dir vielleicht besser helfen. An sich aber ein Buch, was sich ganz gut für eine Buchvorstellung eignet. (Finde ich)
      Grüße,
      Charlousie

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  3. Hallo
    Ich habe das Buch heute zu Ende gelesen und es war wie eine Sucht konnte nicht aufhören,es hat mich fasziniert als ob ich selber dabei gewesen bin. Ein super Buch nur zu empfehlen

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  4. Ich lese eigentlich nicht besonders viel, aber ich entschied mich dann doch dazu, dieses Buch zu kaufen. Bin gerade eben fertig geworden und bin richtig traurig, dass es vorbei ist, habe selten ein Buch so verschlungen! Die Briefform hat dazu geführt, dass mir Ty sogar leid tat am Schluss, ihre Gedanken und Gefühle werden einfach so realistisch dargestellt.

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    1. Dankeschön für deinen Kommentar und genauso erging es mir auch. Das Mitleid mit Ty war schon sehr groß und es war sicherlich nicht richtig, Gemma zu entführen, aber im Grunde genommen hat er ihr ja auch nichts wirklich böses getan, sondern wollte ihr nur seine Vorstellung von einem schönen und besseren Leben nahebringen …

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  5. Das Buch war einfach der Hammer! Ich hab, wenns hoch kommt, in meinem ganzen Leben 6 Bücher gelesen. Aber das Buch war einfach atemberaubend! Hast du noch mehr Buchtipps die in die gleiche Richtung gehen wie dieses?

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  6. Also ich habe mich beim lesen in das Buch und in Australien verliebt. Am Anfang war ich ja skeptisch da ich solche Bücher bisher noch nie gelesen habe. Aber zum Glück habe ich es mir gekauft, denn hinter diesen Buch steckt viel mehr als nur eine Entführung und eine Liebesgeschichte. Die kleinen Details und die Hintergrudgeschichte machen dieses Buch zu etwas ganz besonderen. Eine Liebeserklärung für Australien und das Outback der ich mich nach lesen dieses Buches nur anschließen kann.

    P.S.: Ein kleiner Tipp: Von diesen Buch gibt es eine Ausgabe bei Weltbild die günstiger als das normale gebunde Buch ist.

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    1. Liebe Leseratte911,
      ich kann sehr, sehr gut nachempfinden, was du da schreibst! Vielen, lieben Dank für deinen hier hinterlassenen Eindruck und deinen „Weltbild“-Tipp! 🙂
      Ich wünsche dir eine frohe Weihnachtszeit!
      Alles Liebe,
      Charlousie

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  7. das buch hat mich faszeniert ich konnte nicht mehr aufhören es zu lesen als ob es mich unter kontolle hatte das buch.. als es wollte das ihn net zu r seite lege…. das buch habe ich 6 mal gelesen und das faszeniert mich immer noch .. das kann ich nur jeden empfällen zu lesen einfah nur genial

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    1. wow, 6 Mal? DAS IST VIEL!!! 🙂
      Wenn dir das so gut gefallen hat, kann ich dir mit einer ähnlichen Thematik „Du liebst mich nicht“ ans Herz legen!! Das ist richtig, richtig toll und vielleicht kann es dich ja auch so fesseln ;-).
      Übrigens ein gutes Zeichen, wenn es einem bei einem Buch so geht, passiert mir auch gelegentlich!
      Liebe Grüße,
      Charlousie

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Danke für deinen Besuch! Über einen Kommentar würde ich mich freuen! ♥ Leselustige Grüße von Charlousie

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