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Schattengesicht von Antje Wagner [Rezension]

`“Warum bist du hier?“, fragt Ilka plötzlich, als wir nach dem Abendessen durch den Gang gehen. Vor Nummer 13 bleibe ich stehen. Um neun Uhr ist Nachtverschluss und morgen früh gehe ich zu Tillmans. Arbeit ist etwas Seltenes hier, hatte Sandra betont, ein Ausblick. Es gibt nicht viele Werkstätten, die mit Strafvollzugsanstalten zusammenarbeiten. Ich habe Glück, ich habe einen Platz zugeteilt bekommen. Manche Frauen müssen den ganzen Tag in ihrer Zelle hocken. Taschen. Tillmans fertigt Taschen.
„Mila?“
Ich schrecke zusammen. Sehe sie an. „Ich habe jemanden umgebracht.“´ S. 9

Inhalt:
Milena und Polly sind beste Freundinnen. Doch etwas Unheimliches scheint an ihnen zu haften, weswegen sie oft gemieden werden und sich auf der Flucht befinden. Denn mit den Jahren ihrer Freundschaft, wuchs auch ihr Unglück und sie bedauern noch immer jenen, fürchterlichen Tag, der alles für immer verändern sollte…

Meine Meinung:
„Schattengesicht“ ist eine atemberaubende Reise in die Tiefen einer dunklen Vergangenheit. Anfangs konnte ich mir auf die wenigsten Dinge einen Reim machen und doch meinte ich gewisse Zeichen zu sehen und versteckte Hinweise zwischen den Zeilen, das Offensichtliche zu erblicken.
Teilweise glaubte ich sogar Herrin über des Rätsels Lösung geworden zu sein. Am Ende war ich es auch, weil ich die losen Fäden richtig entworren und wieder zusammengefügt hatte, doch bis zu diesem Moment war ich recht sicher, unrecht zu haben. Das war eine solch spannende Achterbahnfahrt!
Doch obwohl ich das Ende erriet, war das nur ein Teil der Wahrheit, denn diese ist so komplex, dass sich jede/r einfach seinen eigenen Teil denken muss. Die Wahrheit hat zwei Seiten einer Medaille, einmal des Rätsels Lösung und dann das Mysterium, welches die ganze Zeit unterschwellig über der Handlung schwebte.
Doch nun der Reihe nach. Der Aufbau der Handlung ist in 6 Kapitel eingeteilt. Jedes Kapitel ist eine Reise in die Vergangenheit, Zukunft oder Gegenwart.
Jedes Kapitel, jede neue Schicht sog mich förmlich in die Geschichte hinein. Es beginnt mit der Gegenwart. Dann führte Antje Wagner mich mit ihren Erzählungen, die übrigens leicht zu lesen, spannend geschrieben und flüssig formuliert sind, in die Vergangenheit hinein. Zunächst handelte es sich nur um einen recht kleinen Rückblick., indem Milenas und Pollys Leben bereits in Trümmern liegt und sie sich auf der Flucht befinden.
Von da an geht es Etage für Etage tiefer. Ich kam der Lösung näher und näher und ich wusste mit jeder Seite, die ich erwartungsvoll umblätterte, mit jedem Atemzug, mit jedem Herzklopfen würde ich bald der Wahrheit auf den Grund gehen. Je weiter ich kam, umso stärker und bedrückender wurde der Sog. Einige Rätsel hat Antje Wagner mich auf dem Weg der Wahrheit lösen lassen, doch noch war ich nicht am Ziel, waren es Milena und Polly nicht. Zu Dritt begaben wir uns auf ihre Reise in die Vergangenheit zu ihrem Ursprung.
Je tiefer, desto psychologisch vertrackter, aber dennoch irgendwie nachvollziehbar, wurde diese geschichtliche Reise zweier Frauen. Immer unleserlicher, geschickter und enger knüpfte Antje Wagner die Muster aneinander, bis man sich mitten im Muster befand und keine Chance mehr hatte.
Ab einer gewissen Stelle ahnte ich, dass die Autorin eine große Künstlerin ist, die doppeldeutige Sätze und Geschichten in das Muster zu weben vermag. Ich konnte entweder die Richtige oder die Falsche Spur wählen.
Doch wie ich mich auch entschied, welchen Pfad zu wählen, wer weiß denn schon, ob am Ende nicht beide Spuren zu demselben Ziel geführt hätten? Einer von vielen faszinierenden Faktoren.
Wahrlich unglaublich, dass in einem recht kleinen und unscheinbar aussehenden Büchlein eine so große, wortgewandte, komplexe und fesselnde Geschichte stecken kann; die mehr beinhaltet als nur eine Wahrheit oder eine Handlung. Denn beinahe parallel ist da noch etwas Anderes, kaum definierbares. Dieses Etwas begleitete mich während des Lesens so automatisch wie das Atmen.
Schließlich sind es diese beiden Mädchen, deren düstere Vergangenheit zu fesseln vermag. Diese Beiden sind es, die indem Versuch einfach nur zu Leben vom Pech verfolgt, einen Fehler begingen, der sie zu ihren Taten trieb, die sie letztlich verübten.
Voller Beben und Konzentration saugte ich jedes einzelne Wort von „Schattengesicht“ gleich einem Schwamm auf.
Dermaßen intensiv habe ich die beschriebenen Gefühle empfunden, die Brillanz funkeln gespürt, und die eisige Kälte schmerzlich wahrgenommen; mit Worten, die erschütternd wahr sind, so dass sie einen üblen Splitter direkt an der Wurzel zu packen und hinauszuziehen vermögen.
Ich bin die beschrieben Reise der Autorin gegangen und habe zwei Mädchen begleitet, deren Schicksal ich kennenlernte und dessen Art zu denken und zu Handeln ich nachzuvollziehen begann.
So kam ich irgendwann zum Ursprung, den ich mir die ganze Zeit über herbei gesehnt hatte. Doch was ich dort vorfand, war gleichzeitig so ernüchternd, wie traurig und brillant. Wagt die Reise einfach selbst, damit ihr für euch ganz Unterschiedliches, schönes ausmachen könnt.
Nach dem letzten Satz habe ich einige Zeit ungläubig auf das Ende gestarrt, nicht akzeptierend, dass diese Köstlichkeit schon vorbei sein sollte.
Also vergewisserte ich mich noch einmal und las die letzten Seiten noch einmal, doch sie wurden einfach nicht mehr!
Also blätterte ich den Thriller langsam von vorne bis hinten durch, auf der Suche nach einem weiteren Hinweis oder Code. Doch da kam keiner. Ich war alleine mit mir in meinem Kopf. Voller Staunen über diese meisterhafte Schreibkunst, Glückseligkeit, etwas so Wahrhaftiges gelesen haben zu können und voller Trauer, dass es schon vorbei sein sollte.

Mein Fazit:
Letztlich habe ich auf dieser Reise vieles mitnehmen können, wie: Menschliche Verhaltensweisen, menschliche Beziehungen untereinander, und dass die prägende Phase in der Kindheit die entscheidende und wichtigste ist! Doch für mich selbst habe ich eine viel wertvollere Erkenntnis gewonnen.
Ich habe Thriller oder Krimis nie besonders leiden können, weil mich diese Geschichten nie bannen oder begeistern konnten. Bei ihrem Anblick rümpfte ich die Nase und habe sie weitestgehend gemieden.
Dennoch wagte ich mich an „Schattengesicht“ heran. Ich wollte wissen, was diese nette Autorin da geschrieben hatte, ich war neugierig, was ein Mensch wie ich und du durch seine bloßen Gedanken schaffen konnte.
Jetzt, da ich es wagte, weiß ich, dass Thriller vielschichtig sein können. Sie müssen nicht brutal sein oder in Blutbädern enden. Sie können begeistern, verwirren, doch besonders dies:
ein unbeschreibliches Gefühl, wie bei einem Adrenalinkick hervorrufen und Sehnsüchte wecken, von denen ich nicht einmal ahnte, dass ich sie besäße. Wie ein feines Surren.
In meinen Augen hat das „Schattengesicht“ ein Gesicht bekommen. Dieser Thriller ist wie lebendig, die pure Energie, die ich unbedingt spüren wollte.
Antje Wagners Geschichte hat mir einmal mehr gezeigt, warum ich überhaupt lese. Ich suche nun nicht mehr das eine oder das perfekte Buch.
Nein! – denn ich habe es gefunden. „Schattengesicht“ hat das Gesicht meines perfekten Buches angenommen und ist aus den Schatten ins Licht getreten. Noch immer meine ich eine Prise gemischt aus Mystik, Wahrheit und Glanz wie einen Glorienschein um mich herum schweben zu sehen.
Wer nach meinen Worten nicht wenigstens versuchen will das Geheimnis von „Schattengesicht“ zu erspüren, sollte sich darüber im Klaren sein, Einzigartiges verpasst zu haben!

Bewertung

Mein Dank gebührt der Autorin Antje Wagner für die Zusendung dieses Rezensionsexemplars!

12 Gedanken zu „Schattengesicht von Antje Wagner [Rezension]“

  1. Okay, ich versuchs mal:) Also das hab ich eingestellt:)
    Bei den Widgets ziehst du erstmal „Links“ in die Seitenleiste. Dann hast du die Wahl zwischen „alle links“ und „Blogroll“. da hab ich „alle links“ eingestellt.
    Danach siehst du in der linken Seitenleiste vom Dashboard“Links“. Da gehst du drauf und kopierst die gewünschten Links darein. Die Links erscheinen dann automatisch in der Blogroll.
    Ich hoffe, das ist das, was du gemeint hast:D Sonst frag einfach nochmal;)
    Liebe Grüße;)

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